Die Tätigkeiten der Landor
“Düngerimport ist ein hektisches Geschäft: Wir liefern die Hälfte allen in der Schweiz benötigten Düngers. Er kommt auf Rheinschiffen. Von hier aus wird er in Säcke verpackt, automatisch palettisiert und dann in der ganzen Schweiz verteilt. Das Geschäft ist deshalb hektisch, weil wir - im Gegensatz zu früher - heute auf dem Weg zum Kunden und Verbraucher der einzige grössere Lagerhalter sind. Unsere Kunden erwarten, dass wir schnell liefern. Das verlangt von Landor grosses Geschick in der Disposition der Schiffslieferungen und enorme Flexibilität in der Verarbeitung der Kundenaufträge.” Mit diesen einführenden Worten von Geschäftsführer Christian Kopp beginnt mein Besuch bei der Firma Landor AG. Das gut herausgeputzte Verwaltungsgebäude mit geräumigen und modern eingerichteten Büros ist fast malerisch am Rhein gelegen, direkt neben dem kleinen Hafenrestaurant. Mit den eindrücklichen Schiffsentlade-Anlagen, den weiträumigen Lagerhallen und den leistungsfähigen Verpackungs-Anlagen werden pro Tag bis 1000 Tonnen Mineraldünger verarbeitet und produziert. “Wir sprechen lieber von Pflanzennährstoffen, denn Dünger ist heute zu einem sehr komplexen, genau auf den Bedarf des Landwirts zugeschnittenen Produkt geworden”, sagt Verkaufsleiter Hansueli Schaufelberger. “Wir fertigen und liefern 70 unterschiedliche Produkte, zum Sortiment gehören auch Bioprodukte, Nährlösungen und Flüssigdünger. Wir bieten ein Vollsortiment für die Pflanzenernährung.”Analysen in der Wachstumsperiode
Landor erstellt zusammen mit den Kunden genaue Düngerpläne. “Wir beraten unsere Kunden heute vermehrt vor Ort auf Flurbegehungen, Bodenproben zeigen uns die aktuelle Zusammensetzung und in der Wachstumsperiode analysieren wir den Entwicklungsstand der Kultur”, erklärt Hansueli Schaufelberger. “Dann kombinieren wir genau diejenigen Wirkstoffe, die das beste Resultat bringen. Damit vermeiden wir Ueberdüngung, sehr zum Vorteil des Geldbeutels unserer Kunden, aber auch zur Minimierung der ökologischen Belastung. Ist diese Analyse gemacht, sollte der Dünger oft schon in wenigen Tagen verabreicht werden, sonst stimmt die beste Vorausberechnung nicht mehr.” Damit wird klar, dass es bei Landor auf rasche Lieferung ankommt.
Logistik: Schnell liefern und wenig lagern
Beim Dünger sind die Kosten für die Logistik ein wichtiger Faktor. Ziel der Landor ist es deshalb, Disposition und Transport vom Düngerproduzenten zum Bauer möglichst kostengünstig zu gestalten. “Soviel Rohstoffe an Lager halten, dass es für lange Zeit reicht, würde die Kapazität der Landor-Lager sprengen und die Produkte enorm verteuern”, erklärt Carol Schaerer, Leiter der Logistik und Administration. “Deshalb ist es im Interesse unserer Kunden, mit einem raschen Lagerumschlag schnell zu liefern. Vor zwölf Jahren, als ich hierher kam, betrug die Bearbeitungszeit für Bestellungen eine Woche, oft sogar mehr. Heute liefern wir in 12 bis 24 Stunden.” Der gelernte Speditionskaufmann interessierte sich schon in den 80er Jahren für Computer als Arbeitshilfe und bildete sich zum Spezialisten aus. “Diese Kenntnisse und Erfahrungen halfen mir, bei Landor eine solide EDV-Basis aufzubauen, ohne aber mit der Computerisierung zu weit zu gehen. Alle unsere Bestellungen haben noch eine Datensicherung im Bundesordner. Zwar hatten wir auch einmal die Vision vom papierlosen Büro, sahen aber bald, dass das eine gefährliche Illusion ist. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn wir zu Zeiten grosser Nachfrage den Überblick verlören: Das wäre Absturz total.”
Einkauf in der ganzen Welt
Im Einkaufsbüro von Hanspeter Breitenstein zieren grosse Landkarten die Wand; sie zeigen die Wasserstrassen Europas. “Ich stehe immer in direkter Verbindung mit den Schiffen, die uns Ware bringen”, erklärt er. Er bewältigt den ganzen Einkauf im Alleingang. “Je nach Wasserstand und Verkehrslage dauert es fünf bis zehn Tage bis die Rheinfrachter die vielen Schleusen passiert haben und schliesslich bei uns löschen können. Aber vorher gibt es eine Menge zu tun: Die Schweiz hat keinen Phosphat-, keinen Kali- und keinen Magnesiumabbau und Stickstoff wird nur in begrenzten Mengen hergestellt. Daher sind wir auf Importe angewiesen. Rohphosphat kommt vor allem aus Nord-Afrika, Russland Israel und Florida. Kali aus Deutschland USA, Canada und den GUS-Ländern. Stickstoff aus den Beneluxländern und Skandinavien, weil es dort günstige Energiepreise für Nordsee-Oel und Nordsee-Gas gibt. Wir kaufen unsere Produkte direkt von den grössten Produzenten der Welt. Von Meerschiffen werden die Rohstoffe in den grossen Häfen Antwerpen, Rotterdam oder Gent umgeschlagen. Von dort reisen sie in Rheinschiffen zu uns. Insgesamt dauert die Zeit von der Bestellung bis zum Auslad im Auhafen ein bis zwei Monate.” Carol Schaerer: “Ein Beispiel für unsere Logistik-Aufgabe: Einerseits liefern wir in wenigen Stunden, andererseits brauchen wir Monate für die Beschaffung. Die Witterung spielt mit: Je nach Saison und Wetterlage tröpfeln die Bestellungen herein oder aber die Bestelltelefone laufen heiss. Dann sitzen wir auch abends spät noch hier, denn alles was heute an Bestellungen hereinkommt, muss noch am gleichen Tag disponiert sein.
Mitten im Geschehen steht auch Rolf Herzog. Der gelernte Bauer und Agrokaufmann weiss genau, um was es hier geht. Auch im grössten Stress verliert er seine Ruhe nicht und kann kompetent Antwort geben. So kommt seine Funktion als Allrounder zum Tragen. Er kennt alle Wege bei Landor und kann auch in heiklen Situationen, wo es auf Zeit und gute Problemlösungen ankommt, das richtige bewegen.
Nicht alle arbeiten Vollzeit. Einzelne Jobs werden von zwei und mehr Mitarbeitenden geteilt, aber bei Hochbetrieb sind alle voll im Einsatz. “Das verlangt, dass wir in unserem Team gut zusammenspielen,” erklärt Beatrice Wälle. Sie organisiert auch die vielen Betriebsbesichtigungen: “Es freut uns besonders, dass unsere Kunden an unserer Arbeit interessiert sind. Gerne kommen sie hierher und besichtigen unseren Betrieb. Sie sind beeindruckt von der Hafenanlage und unseren modernen Einrichtungen. Auch wollen unsere Kunden die Leute kennenlernen, mit denen sie oft am Telefon in Verbindung stehen.”
Im oberen Stock des Verwaltungsgebäudes ist der Ausblick auf den vorbei fliessenden Rhein besonders beeindruckend, mehrere Lastkähne fahren gerade vorbei. Hier haben Jeanette Kaufmann und Manuela Sütterlin ihre Arbeitsplätze. Sie arbeiten in Teilzeit, führen gemeinsam die gesamte Finanzbuchhaltung des Unternehmens und erstellen auch die Jahresabschlüsse. “Uns gefällt hier nicht nur der Ausblick auf den Rhein, sondern besonders die effiziente Zusammenarbeit”, betonen die beiden jungen Buchhalterinnen.
Sieht man sich in den hellen und aufgeräumten Landor Büros um, so hat man das Gefühl, die Arbeit sei hier sehr leicht. Doch dieser Eindruck täuscht. “Heute ist kein Tag mit Hochbetrieb”, sagt Carol Schaerer, “an solchen geht es bei uns äusserst lebendig zu.”
150 Schiffsladungen im Jahr
“Via Rhein kommen 95 Prozent aller von uns verkauften Dünger in rund 150 Schiffen im Jahr”, erklärt Betriebschef Marcel Zimmermann bei seiner Führung durch den gesamten Produktionsprozess. “Der Rhein ist der günstigste Transportweg für Massengüter.” Stolz weist er auf die Verladeanlagen mit Löschkran, die Loselager, die modernen Absack- und Palettisier-Anlagen und die weitreichenden Fertigprodukte-Lager. “Technisch Bewanderte staunen oft über unseren Löschkran und fragen, warum wir nicht auf modernere Sauganlagen umstellen. Dann erklären wir, dass Mineraldünger - oder eben Pflanzennährstoffe - fragile Produkte sind. Die Zeiten sind längst vorbei, bei denen in Pulverform ausgetragen wird. Seit Jahren verarbeiten wir ausschliesslich Granulat. Das lässt sich auf dem Hof maschinell präzise anwenden, eine Über- oder Unterdüngung wie auch eine unregelmässige Verteilung sind damit ausgeschlossen. Das Granulat, das für die optimale Anwendung oft noch speziell behandelt wurde, muss sorgfältig umgeschlagen werden, das geht nur per Löschkran. Die Ladeschaufel ist nicht so klein wie sie von unten gesehen aussieht. Sie fasst 4 bis 4,5 Tonnen, eine Riesenmenge, die mit einem Hub vom Schiff in die Lagerbunker befördert wird. Zwei Mann - der Kranführer inbegriffen - leeren ein Schiff mit 1000 Tonnen in knapp sieben Stunden.” Marcel Zimmermann muss es wissen, begann er doch seine Karriere vor dreissig Jahren als Führer eines Hafenkrans. “Wir sind eine sehr flexibel arbeitende Equipe”, erklärt er. “Im Betrieb sind wir nur 15 Mann und es ist unsere Aufgabe, Schiffe zu löschen, Produkte einzulagern, abzusacken, zu palettisieren und für den Weitertransport per Bahn oder LKW auf den Rampen für die Chauffeure bereit zu halten oder auch in Bahnwagen zu verladen.” Gerade verlässt der Kranführer im Dienst hoch oben seine Kabine und winkt uns zu. Heute hat er gut lachen, konnte er doch seine Arbeit dank dem herrlichen Wetter ohne Unterbruch durchführen. “Bei Regen geht beim Auslad nichts, denn unsere Produkte dürfen keinesfalls nass werden”, erklärt Zimmermann. Regnet es, müssen wir pausieren. Zum Glück dauern solche Unterbrechungen meistens nur wenige Stunden, damit können wir leben.” Die Lagerhallen haben die Fläche von Fussballfeldern. Sie bieten Raum für 15´000 Tonnen Schüttgutlager und 10´000 Tonnen in Säcken abgepackte Ware. Ein Volumen, das bei starkem Bestellungseingang keinen Monat ausreicht. “Sinkt der Vorrat, haben wir alle Hände und Köpfe voll zu tun, rechtzeitig für Nachschub zu sorgen!” Die leistungsfähigen Absackmaschinen schaffen bis 20´000 einzelne 50 Kilo-Säcke am Tag, zu Paletten mit je 21 Säcken geschichtet. Im Keller befindet sich das Lager für Plastiksäcke. Sie sind aus einem ökologisch abbaubaren Material. “Weil sie speziell für uns in grossen Mengen gedruckt werden, brauchen wir eine grosse Lagerhaltung”, erklärt Marcel Zimmermann. “Der Keller, der die diese ganze Halle unterzieht, ist absolut dicht, er dient im Brandfall als Auffangwanne für Löschwasser. Hier in der Nähe von Quellwasser und des Rheins eine Pflicht.” Im Fertiglager müssen Besucher aufpassen: Stapelfahrer holen mit Blitzgeschwindigkeit die gewünschten Düngermittel-Säcke und stellen sie auf den Rampen bereit. Eine Camionladung kann bis 20 verschiedene Sorten umfassen. Kunden erhalten so ihre Ware in kürzester Zeit direkt auf den Hof geliefert. Carol Schaerer: “Natürlich versuchen wir, möglichst viel Ware per Bahn zu versenden. Dafür machen wir spezielle Aktionen. So läuft heute rund ein Drittel des Frühlingsgeschäfts per Bahntransport, insbesondere für die Voreinlagerung von Stickstoff. Damit das funktioniert, helfen alle Beteiligten mit: Die SBB offerieren zusätzliche Rabatte, unsere Kunden holen die Ware an den Bahnhöfen selbst ab und wir bieten günstige Aktionspreise.”
Nach dem Rundgang steht fest: Landor ist nicht nur ein modernes und gut eingerichtetes Unternehmen. Beeindruckend ist vor allem das Landor-Team, das sich mit Freude und Elan für die rationelle Produktion und den optimalen Einsatz von Pflanzennahrung zum Spitzenkönner entwickelt hat.
